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Grenzen setzen und wahren

Jeder Mensch zieht da die Grenze, wo es ihm zu viel wird.

Das ist dann eine natürliche, individuelle Grenze.

Diese bei sich und anderen zu erkennen, müssen Kinder erst lernen.

Stopp

Wann, wo, wieso und wie setze ich Grenzen?

„Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt“ (Philosoph Immanuel Kant) oder „Die Freiheit besteht darin, dass man alles das tun kann, was einem anderen nicht schadet (Dichter Matthias Claudius). Was anderen schadet und was nicht, das lernen Kinder von Erwachsenen.

Was ist denn eine genau eine Grenze?

Ganz einfach, wenn es mir zu viel wird, dann sag ich es. Das ist eine Grenze und die muss ich sichtbar machen, indem ich "nein" oder "stopp" sage.

Wieso brauchen Kinder Grenzen?

Jeder Mensch braucht Grenzen, nicht nur Kinder. Wir leben in einer Gesellschaft und es gibt Regeln, die das Zusammenleben vereinfachen. Diese Regeln lernen die Kindern von Erwachsenen. 

Zudem können Kinder Gefahren noch nicht absehen, auch hier brauchen sie Erwachsenen, die die Grenze dort ziehen, wo es lebensgefährlich wird. Das wiederum gibt den Kindern Sicherheit. Sie merken, dass da Eltern sind, die ihnen einen sicheren (und grossen) Rahmen geben, indem sie sich bewegen können.

​Individuelle Grenzen:

Danielle Graf und Katja Seide raten davon ab, starre Regeln aufzustellen. Menschen und sogar Ratten lehnen sich grundsätzlich gegen Regeln auf, da es sie der Freiheit beraubt. Sie empfehlen in ihren Büchern entweder mit den Kindern zusammen Regeln auszuhandeln oder persönliche Grenzen zu definieren. Was sind persönliche Grenzen? Diese können je nach Tagesform variieren. Heute bin ich zum Beispiel gut drauf und es ist ok, wenn die Kinder im Haus herumspringen. Morgen habe ich vielleicht Kopfweh und laute Geräusche nerven mich. Dann kann ich meinen Kindern meine Grenze aufzeigen und sagen: "Kids, heute brauche ich Ruhe, bitte spielt im Zimmer". Eine andere Möglichkeit wäre es, den Kindern das Zimmer zu überlassen und mir einen ruhigen Platz zu suchen. So sind dann alle zufrieden. Darum geht es beim Grenzen setzen. Wenn es mir nicht mehr gut geht, ist meine Grenze erreicht und das teile ich mit. Ohne die Kinder zu beschimpfen, zu bestrafen oder sonstigen Druck auszuüben. Ich mache mich aber bemerkbar. Am besten gelingt dies in der Ich-Form, anstelle der Du-Form. In der Ich-Form kann ich nämlich niemanden verletzen: "Mir ist das zu laut" anstatt "du bist zu laut". Kinder, die merken, dass hinter einer Grenze ein Mensch mit Bedürfnissen steht, nehmen darauf eher Rücksicht, als auf eine starrer Regeln, die sie ihrer Freiheit beraubt. 

Doch was tun, wenn Kinder meine Grenzen missachten?

Wir erinnern uns daran, dass es Kinder sind. Selbst wenn sie verstanden haben, dass hier eine Grenze ist, bereitet ihnen die fehlende Impulskontrolle immer noch Schwierigkeiten. Wir stoppen dann sanft das Verhalten unserer Kinder oder wir sind nachsichtig und sagen ihnen, dass wir es morgen nochmals versuchen, weil wir sehen, dass es gerade nicht klappen will. Aber wir bleiben dran, d.h. wir sagen und versuchen es immer wieder. Anstatt zu bestrafen, setzen wir auf Wiedergutmachung. Eine verschmierte Wand z.B. können wir gemeinsam mit den Kindern wieder sauber machen. Spiele lassen sich einsetzen, um die Kinder zu motivieren, etwas zu tun, das mir wichtig ist (z.B. aus dem Auto auszusteigen: "Komm wir verstecken uns im Haus, bevor Papa nach Hause kommt, damit er uns suchen kann"). Wir haben Kinder, es ist OK mit ihnen zu spielen!! 

Grenzen sollten sparsam gesetzt werden:

Es genügt der Grundsatz: Es wird niemand verletzt und nichts Wertvolles mutwillig zerstört. Eine Ja-Umgebung macht zudem das Leben leichter. Alles, was für das Kind gefährlich oder mir lieb und teuer ist, räume ich weg. Jetzt kann ich das Kind entspannt rennen lassen.

 

Grenzen nur in Verbindung mit Bindung:

Die Beziehung ist wichtiger als die Einhaltung von Regeln. Was meine ich damit? Bestimmt kennt jeder von uns Situationen, in denen ein grosser Streit ausgebrochen ist wegen Nichtigkeiten. Zum Beispiel, wenn das Kind versehentlich das neue Kleid bekleckert. Wie viele Eltern flippen dann komplett aus, obwohl es sich nur um ein Kleidungsstück handelt? Der Streit hinterlässt beim Kind viele kleine Narben, die sich nicht einfach auswaschen oder ersetzen lassen. Das sollten wir uns immer vor Augen halten. Was ist grad wichtiger, die Regel oder das Kind?

  • Wenn ich nachsichtig (nicht zu verwechseln mit nachgiebig) mit meinem Kind bin, stärkt dies die Bindung und führt wiederum dazu, dass die Kinder sich bemühen, meine Grenzen zu respektieren. In der Partnerschaft klappt das doch auch. Wer sich mit seinem Partner wohl und von ihm geliebt fühlt, der gibt sich doch auch Mühe, dass ihm der Partner erhalten bleibt. Kinder ticken da genau gleich.

  • Ich bin mir bewusst, dass Kinder zu jederzeit ihr Bestes geben und wenn sie meine Grenzen mal überschreiten (oder auch öfters), dann weil ihre Kraft erschöpft ist. Ich erkenne damit ihre Grenzen (keine Kraft mehr) an und so lernen sie wiederum, was Grenzen achten eigentlich ist

 

Die Grenzen unserer Kinder:

Genauso wichtig ist es, dass Kinder ihre eigenen Grenzen aufzeigen dürfen. Wenn ein Kind laut "nein" ruft, haben wir dies zu respektieren. Über dieses "nein" dürfen wir uns nur zum Schutz der Kinder hinwegsetzen. Wenn das Kind z.B. von der Strasse runter soll, weil ein Auto kommt. Dann können wir auf sein "nein" keine Rücksicht nehmen. Ich erkläre ihm dann aber, weshalb ich so gehandelt habe. Es ist wichtig, dass wir unsere Kinder ermutigen, sich ihrer Grenzen bewusst zu werden und diese aufzuzeigen. Schliesslich wollen wir, dass unser Kind auch "nein" zu Drogen, sexueller Belästigung etc. sagt. 

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