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Wieso du auf das Schimpfen (Bestrafung) verzichten solltest

Aktualisiert: 11. Okt. 2023


Alle Arten von Gewalt (Schimpfen, Liebesentzug, Beleidigungen, Schläge, Drohungen, an den Haaren ziehen, kalt abduschen usw.) schaden dem Kind. Das ist wissenschaftlich längst erwiesen.


Hier 10 gute Gründen, auf Gewalt in der Erziehung ganz zu verzichten:

  1. Es fühlt sich niemand gut nach einer Schimpftirade bzw. einem Streit mit dem Kind, weder das Kind, noch die Eltern. Es verlieren immer beide Seiten - nämlich ein Stück Verbindung.

  2. Wenden die Eltern Gewalt an, hat das Kind Angst vor den Eltern. Kinder sollten niemals Angst haben vor ihren Eltern. Ein Kind sollte sich Zuhause immer sicher fühlen. Es heisst nicht umsonst "Schutzbefohlener". Wer sich Sorgen macht, dass das Kind draussen gemobbt werden könnte, der sollte sich Folgendes bewusst machen: Angst vor seinen Eltern zu haben ist für ein Kind viel schlimmer, als draussen gemobbt zu werden. In erster Linie braucht ein Kind die bedingungslose Liebe der Eltern, das ist das Wichtigste.

  3. Gewalt in der Erziehung ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz verboten (Kinder haben ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung ... so steht es im Gesetz).

  4. Gewalt schadet dem Selbstbewusstsein der Kinder. Wieso? Es ist erwiesen, dass Kinder zu jederzeit ihr Bestes geben. Wenn sie gerade nicht "gehorchen", dann fehlt es ihnen nicht am Willen, sondern sie können gerade nicht anders. Eine andere Kraft blockiert sie: Hunger, Durst, fehlende Impulskontrolle. Schimpfen nun die Eltern mit den Kindern, dann gehorchen sie womöglich, weil sie Angst haben. Die Angst ist stärker als die blockierende Kraft. Schimpfende Eltern vermitteln dem Kind allerdings, dass sie kein Verständnis für seinen Zustand haben, sie vermitteln ihm, dass das Kind "falsch ist". Kinder glauben ihren Eltern und nehmen zur Kenntnis: "Ich bin nicht richtig". Unter diesem Minderwertigkeitsgefühl leiden die Meisten ihr Leben lang.

  5. Gewalt kann Kinder krank machen. Wieso? Werden Kinder ausgeschimpft, empfinden sie Angst. Angst erzeugt Stress. Wir wissen alle, was Stress mit Menschen macht. Erwachsene haben Verdauungsbeschwerden, Konzentrationsstörungen, depressive Stimmung usw.! Kinder trifft Stress noch härter. Forscher konnten nachweisen, dass das kindliche Gehirn Schaden nimmt. Teile des Gehirns, die für die Stressregulation zuständig sind, nehmen Schaden. Ist das Kind erwachsen und gerät unter Stress, dann ist es schnell überfordert. Dies macht sie anfällig für Depressionen und andere psychischen Erkrankungen.

  6. Kinder lernen nichts, wenn sie ausgeschimpft und bestraft werden. Wie bereits erwähnt, haben sie in solchen Momenten Angst vor den Eltern und Angst blockiert das Lernzentrum. Sie werden ausserdem dazu getrimmt, egoistisch zu handeln. Sie unterlassen ein Verhalten nicht, weil ihnen bewusst ist, dass es andere verletzen kann, sondern nur, damit sie selbst keine Strafe bekommen. Sie sind so sehr mit ihren eigenen Ängsten beschäftigt, dass ihnen keine Zeit mehr bleibt, an andere zu denken.

  7. Wir bestrafen Kinder mit Dingen, die ihnen wichtig sind. Damit missbrauchen wir ihr Vertrauen. Sie werden uns in Zukunft möglichst wenig von sich erzählen, damit wir es nicht gegen sie verwenden können. Wir fangen an Richter zu spielen. Das Elternhaus wird zu einem Gerichtssaal, ganz nach dem Motto: "Was sie sagen kann und wird vor Gericht gegen sie verwendet werden". Das hat mit Familie nichts mehr zu tun.

  8. Kinder teilen uns mit ihrem Verhalten etwas über sich mit. Statt sie zu bestrafen müssen wir überlegen, was sie uns sagen wollen. Sie haben ein Problem, ein Bedürfnis oder einen Wunsch. Irgendwas ist, sonst würden sie sich "normal" verhalten. Indem wir sie bestrafen, helfen wir ihnen nicht. Ihr Problem, ihr Bedürfnis, ihr Wunsch besteht weiter. Wir verpassen die Chance, unser Kind besser kennenzulernen und für es da zu sein.

  9. Wir möchten, dass Kinder später ihre Konflikte konstruktiv lösen. D.h. wir wollen, dass sie für ihre Bedürfnisse einstehen und auch die Bedürfnisse ihres Gegenüber wahrnehmen, statt einfach draufzuhauen oder wegzulaufen. Kinder schauen sich von uns ab, wie wir Konflikte lösen. Ein "Schläger" hat dieses Verhalten von seinen Eltern gelernt. Ein "Egoist" hatte egoistische Eltern usw.! Diskutieren, Kompromisse finden, seine Wut unter Kontrolle bringen, das können Kinder nur von Eltern lernen, die dies auch selbst beherrschen.

  10. Eltern haben eine unglaubliche Macht über das Kind. Sie brauchen sich diese nicht zu erkämpfen. Diese Macht der Eltern ist da und wird immer da sein. Denn Kinder haben keine Chance zu überleben, ohne die Eltern und das wissen sie. Eltern dürfen diese Macht aber nicht ausnutzen. Das Kind kommt auf die Welt, liebt die Eltern über alles und will ihnen gefallen. Kinder haben bereits Respekt und wollen kooperieren. Sie lieben uns bedingungslos. Sie kommen also in Frieden. Es liegt an uns, wie es zwischen dem Kind und uns weiter geht. Lieben wir das Kind ebenfalls bedingungslos, respektieren wir das kleine Wesen, welches bereits Rechte hat? Achten wir auf die Bindung? Dann werden die Kinder das Gleiche tun. Wir respektieren sie, sie respektieren uns, so einfach geht das. Wer denkt, dass er sich mit Gewalt gegen ein Kind wehren muss, der hat leider nicht verstanden, was Familie bedeutet. Kinder haben keine Chance gegen uns. Ein "Machtkampf" mit ihnen zu führen, ist einfach nur unfair. Sie verlieren immer gegen uns. Ihnen fehlt die Kraft und ihnen fehlen die richtigen Worte. In jedem Boxkampf wird darauf geachtet, dass Boxer das gleiche Gewicht haben, damit es überhaupt einen fairen Wettkampf geben kann. Wir schicken ein kleines, wehrloses Wesen in den Ring, das niemals eine Chance hatte. Ja, wir schicken es in den Ring, denn Kinder beginnen keinen Machtkampf. Sie wollen keine Macht, damit sind sie überfordert. Es ist wieder ein Missverständnis, wenn Eltern denken, Kinder beginnen einen Streit. Ja, die Kinder setzen sich für das ein, was sie wollen, aber sie wollen keinen Ärger. Deshalb müssen wir Erwachsene uns immer wieder bewusst machen, dass vor uns ein Kind sitzt, welches einfach ein Bedürfnis oder einen Wunsch hat. Wir müssen uns immer wieder bewusst machen, dass das kindliche Gehirn erst mit 21 Jahren ausgereift ist. Vorher können wir von ihnen nicht erwarten, dass sie sich wie Erwachsene verhalten. Es geht einfach nicht. Wir sollten nachsichtig sein, wenn das Kind verletzende Sachen sagt oder sich mit unglücklichen Strategien versucht mitzuteilen. Niemals müssen wir böse auf das Kind sein, denn es muss erst noch lernen, sich korrekt mitzuteilen. Es lernt viel schneller, wenn wir ruhig mit ihm sprechen. Wir sollten achtsam mit unserer Macht umgehen und sie nur zum Schutz der Kinder einsetzen, z.B. indem wir es gegen seinen Willen von der Strasse wegziehen, weil ein Auto kommt. Ich denke oft an den Spruch von Spiderman: "Mit grosser Macht geht grosse Verantwortung einher". Es ist unsere Aufgabe unsere Macht zum Wohle aller einzusetzen. Denn das leben wir den Kindern vor und das machen sie uns nach.



Nicht Schimpfen, was dann?


  1. GEDULD: Wer verstanden hat, wie das kindliche Gehirn funktioniert, wird keinen Grund mehr sehen zu schimpfen. Selbst, wenn wir den Grund, wieso das Kind blockiert nicht sehen, dann wissen wir doch, dass es einen guten Grund hat und können ruhig mit dem Kind sprechen. Zudem wissen wir, dass Kinder manche Dinge 800 mal hören müssen, um sie zu verstehen und umsetzen zu können. Wir brauchen also viel Geduld.

  2. UEBER DIE SITUATION SCHIMPFEN: Wenn uns dennoch die Situation triggert und der Dampf raus muss, dann schimpfen wir über die Situation bzw. das Verhalten, niemals aber über das Kind als Person: "Es nervt mich, dass ich zu spät komme" ist besser als "du bist ein Trödler, wegen dir kommen wir zu spät" oder "mich nervt diese Unordnung" ist besser als "du bist so unordentlich, du bist so faul".

  3. RUHIG SPRECHEN: Ruhig mit dem Kind zu sprechen bringt viel mehr als zu schimpfen oder zu schreien. Das Kind kann dann lernen. Wenn es laut wird, schaltet das Lernzentrum ab, da das Gehirn den Körper auf Flucht, Kampf oder Erstarrung vorbereitet. Lernen geht dann nicht mehr.

  4. IST ES DAS WERT? Stellen wir uns doch jeweils die Frage - ist es mir das wert? Wir wollen los, das Kind blockiert. Wir können das Kind nun beschimpfen und bestrafen, sein Selbstbewusstsein opfern und unsere Beziehung belasten, um pünktlich zu kommen, ist es das wert? Oder nehmen wir uns die Zeit, die Situation spielerisch zu lösen und kommen dafür etwas später? Schliesslich sind wir für die Situation verantwortlich. Hätten wir uns besser organisiert, wären wir jetzt nicht im Stress. Wieso sollte das Kind es also ausbaden? Unsere Aufgabe ist es zu führen. Wir wissen, dass Kinder Zeit brauchen d.h. wir müssen für alles mehr als genug Zeit einplanen. Wenn es gar nicht anders geht und wir das Kind gegen seinen Willen mitnehmen müssen, entschuldigen wir uns zumindest dafür, dass wir gerade sein Bedürfnis missachten.

  5. STUMMES SCHIMPFEN: Wenn wir sauer sind und der Dampf raus muss, dann schimpfen wir stumm, d.h. wir sagen nur in unserem Kopf, was wir gerne sagen wollen. Summen, singen oder hüpfen beruhigt übrigens zudem unser Nervensystem.

  6. BESSERE ORGANISATION: Planen wir immer genug Zeit ein, überlegen wir uns spielerische Lösungen, zeigen wir Verständnis für das Kind und hören wir die Meinung unseres Kindes an. Wir müssen seine Meinung nicht befolgen, aber wir sollten sie anhören und uns bemühen, eine Lösung (Kompromiss) zu finden, damit es für alle passt. Denn das Bedürfnis des Kindes ist genauso wichtig, wie das der Eltern. Kathie Weber schlägt vor: Eltern entscheiden, WAS gemacht wird und Kinder entscheiden WIE es gemacht wird. Zum Beispiel: "Wir gehen los, welche Schuhe willst du anziehen, die roten oder die blauen?"

  7. DIALOG: Fragen wir die Kinder, was los ist. Reden wir mit den Kindern. Finden wir gemeinsam eine Lösung. Alles andere bringt uns nur auseinander, nicht näher zusammen.

  8. ES LOHNT SICH: Halten wir uns vor Augen, dass Kinder, die gewaltfrei erzogen werden, gesünder sind, bessere Noten schreiben, mehr Selbstbewusstsein haben usw.. Tausende von Studien konnten das belegen. Es ist etwas zeitaufwändiger, aber es lohnt sich.

  9. WIEDERGUTMACHUNG: Wir sollten unseren Kindern zeigen, wie sie ihre "Fehler" wiedergutmachen können. Ein Strauss Blumen für die verärgerte Nachbarin pflücken oder die verschmierte Wand gemeinsam reinigen. Zeigen wir unseren Kindern, wie gut es sich anfühlt, Wiedergutmachung zu leisten. Sie werden es uns nachmachen.


Weitere Tipps gibt es im Buch von Nicola Schmidt "Erziehen ohne Schimpfen" oder bei Kathy Weber


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